Bastian Gulden im Interview

Bastian Gulden, Personaltrainer
Bastian hat eine beeindruckende Geschichte hinter sich. 2007 wog er 148 kg und hatte über 40% Körperfettanteil, mittlerweile hat ein beinahe Eilte-Kraftwerte und bereitet sich auf einen Bodybuilding Wettbewerb vor (Bodybuilding Classics).

Wie kommst du zum Sport?

Kurz und knapp: In der Pubertät sehr dick gewesen, hatte 148kg auf 1.90m. Natürlich merkt man schnell, dass man in der Gesellschaft – vor allem aber beim anderen Geschlecht – nicht so gut ankommt. Also entschied ich mich zu meinen 16 Geburtstag ein Fitnessstudio zu besuchen.

Dort habe ich mit viel Cardio und noch viel mehr Halbwissen, bzw. nichtswissend angefangen zu trainieren. So begann die Reise…

Warum machst du das Trainingsseminar in Regensburg? Was treibt dich an?

Trainingsseminar Regensburg, Bastian Gulden
Bild vom Trainingsseminar in Regensburg

Primär weil es mir Spaß bereitet und weil ich gut darin bin, Menschen etwas zu vermitteln – so sagt man.

Natürlich verdient man damit auch seine Brötchen, aber das ist nicht mein Antrieb.  

Viel mehr die “AHA”-Effekte bei Teilnehmern und die positive Resonanz – auch nach einigen Monaten noch!

Video: Bastian zieht 3x 230 Kg in einer normalen Trainingseinheit

Du hast mir von dieser komischen Separierung in Gruppen erzählt – entweder die Leute sind extrem gut informiert und beschäftigen sich mit jedem kleinsten Detail, aber kriegen nichts hin – oder machen einfach etwas, drücken 150 kg, aber verstehen gar nichts von der Materie.

Was hast du da schon so alles erlebt? Was sind da deine schlimmsten Erlebnisse (in beide Richtungen)? Woran liegt das deiner Meinung nach?

Bastian: Schwieriges Thema – vermutlich werden sich jetzt beide Seiten negativ angesprochen fühlen, aber was solls.

Es ergibt sich seit ca. 2-3 Jahren im deutschsprachigen Raum eine immer größer werdende Kluft zwischen der, ich nenne es mal, “Science” – und “BroSciencepartei”.

Gerade durch soziale Medien nimmt es immer rasanter zu und es bilden sich schon sektenartige Gruppierungen.

Wie es für uns Menschen so üblich ist, vom einen Extrem ins andere.

Um vorab die Wogen etwas zu glätten, ich stelle mich auf keine der beiden Seiten, jede hat ihre Berechtigung, Vor- und Nachteile.

Um es an konkreten Beispielen zu verdeutlichen…

Da gibt es Person X, noch nie eine Studie überflogen, keinerlei anatomische oder biochemische Grundlagen – nichts.

Nur das gefährliche Halbwissen aus der Flex, Men’s Health und aus Pumping Iron.

Der futtert am Wochenende seinen Döner, geht 4 mal die Woche nach einem hochvolumigen Split trainieren und schießt sich im Training komplett ab. Das ZNS hüpft im Kreis…

Der sogenannte “Bro” baut Muskulatur auf, wird stärker und wird in dem bestätigt was er tut. Nicht auf dem effizientesten Weg, aber daran denkt man nicht, solange etwas nach vorne geht. Deshalb halten sich diese Mythen auch so hartnäckig.

Aber egal, er hat Progression. Genau, Progression, auch wenn suboptimal – der Wechsel…

Dann gibt es noch Person Y, Starting Strength und „PupMed“ ist seine Abendlektüre, nebenbei wird in Science Based Gruppen in Facebook gefachsimpled und über die lineare Progression im Kraftsport philosophiert. Sind nun 5 oder 6 Wdh das Maß der Dinge? Sollte ich 10% oder 13,5% im Kalorienplus sein? Benötige ich 6 Fischölkapseln oder 8? Ich konnte in einer Woche nicht progressiv steigern – ich mache einen Setback – oder eine Deloadwoche?

Diese Personen haben Basics, nein – sie haben fundiertes Fachwissen, vergessen es dabei aber umzusetzen.

Um auf den Punkt zu kommen.

Person Y verliert sich in Details, in absolut unwichtigen Dingen. Da wird an den winzigsten Stellschrauben gedreht, obwohl nicht einmal im Ansatz ein solides Grundgerüst besteht.

Das Ende vom Lied sind dann 220 Euro teure Adipower, ein Inzerbelt für 100 Euro, Kneesleves – und ja…. 80kg auf dem Rücken beim beugen.

Ich denke das Problem ist, dass man eine Art Zugehörigkeit will.

Nach dem Motto – “Schaut mich an – ich bin kein Bro, ich bin die wissenschaftliche Elite des Kraftsports”

Ein Scheiss bist du.

Schmeiss deinen Kugelschreiber und deine verkackte Stoppuhr an die Wand, pack dir laute Musik in die Ohren und fang an schwer zu beugen. Mal keine Progression? Hey, wir sind Menschen. Hormonelles Umfeld, Schlaf, Ernährung, emotionales Gemüt, uvm. sind Variablen die dir in deine progressive Steigerung reinspielen.

Deshalb gleich einen Deload machen? Klar – nach 3 Monaten Training und 80kg Kniebeugen ist dein ZNS mit Sicherheit völlig überfordert.

Der Sport lebt nun mal davon, dass man Gewichte bewegt, stetig mehr Gewichte.

Es ist so simple – und das wird es immer bleiben.

Man(n), wie auch Frau, erreicht mind. 90% vom maximal möglichen Fortschritt, wenn man seine Makros/Mikros etwas im Blick hat und im Training alles gibt. Es ist einfach absolut unnötig sich in aberwitzige Details zu verlieren. Genauso wie es unnötig ist auf jeden Funken Qualität in seinem Leben zu verzichten.

Das kann man im Elitebereich machen, aber davon sind die meisten Lichtjahre entfernt.

Natürlich ist das Ganze jetzt sehr überspitzt ausgedrückt, aber die Message ist hoffentlich angekommen – die meisten sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

Ziel sollte sein, wie so oft im Leben, die Schnittmenge aus beiden Extremen zu kombinieren – sonst fährt man gegen die Wand.

Wie kann man das ganze verbessern?

Indem beide Seiten offen für die andere sind und ihren Tunnelblick mal etwas weiten. Es gibt auch noch links und rechts etwas zu sehen, auf dem Weg zum Fitnessolymp.

Was begegnet dir so in den Studios? Was machen die Leute falsch? Was sind die gröbsten Fehler?

Wirklich dumme Scheiße ist nur:

  • Jugendliche Gruppierungen die alles belegen.
  • Leute die stinken und kein Deo benutzen.
  • Kerle die jede Frau anbaggern, anstarren und das Training damit total unangenehm für sie werden lassen.
  • Leute die ihre gutgemeinten, aber schrecklichen Tipps an Anfänger vermitteln.
  • Leute die sich wie Proleten aufführen.

Alles andere, wie schlechte Technik, rumgehampel bei 25 Sätzen Bizepscurls etc. sind einfach Fehler, bzw. ein Lern – und Erfahrungsprozess, den jeder macht.

Die groben und immer wiederkehrenden Fehler, sind ja nur das Resultat von schlechten Informationsquellen.

Die Leute verlassen sich zu sehr auf bunt verpackte Supplements, die 5kg brutalen Masseaufbau in nur 2 Wochen versprechen und lassen sich von reißenden Werbeversprechen und „neuen“ Methoden/Programmen begeistern.

Als Neueinsteiger kommt man da wohl nicht rum. Man hat Glück, wenn man jemanden an seiner Seite hat, der einen in den richtigen Zug sitzt.

Dann kann es u.a. passieren, dass eine junge Frau innerhalb eines Jahres ihr doppeltes Körpergewicht hebt – ohne Equipment und ohne Vorbereitung.

Was machen Anfänger immer wieder falsch? Was ist am wichtigsten für Anfänger und Trainierende allgemein?

Im Prinzip ist das Training eine Pyramide, unten stehen die Basics. Kalorienüberschuss, genug Protein, Progression, Verbundübungen etc. Je länger man trainiert, bzw. je höher das Trainingslevel ist, desto mehr spitzt sich die Pyramide zu. D.h. umso mehr muss ich an kleineren Stellschrauben drehen um an die Spitze der Pyramide zu kommen.

Viele Anfänger kaufen sich BCAAs, Kreatin und beginnen mit einem 5er Split – damit besteigen sie quasi die Pyramide von oben…. Früher oder später geht es nicht mehr voran und sie rutschen bis zum Sockel der Pyramide ab.

Schöne Metapher….

Bastian Zeichnung

Wie könnten sie diese Fehler vermeiden?

Durch die riesige Flut an Informationen und Gegensätzen in unserer Branche, kann man das wohl kaum steuern. Da ist es wirklich Glück, wie man zum Kraftsport kommt und wer sich einem annimmt.

Wie hilfst du diesen Leuten?

Durch Aufklärung und logische Zusammenhänge. Man kann sehr schnell alle Mythen und Studioweißheiten mit gesundem Menschenverstand widerlegen. Dazu braucht es selten Belege/Studien. Diese werden sowieso nicht gelesen – geschweigedenn verstanden.

Da ist es viel wichtiger das Ganze authentisch rüberzubringen – darin liegt die Kunst.

Was machst du wenn es da zu Diskussionen kommt? Ist das online anders als vor Ort? Wie genau? Was ist der beste Weg deiner Meinung damit umzugehen?

Bastian ist der lebende Beweis dafür, was man mit intelligentem und evidenzbasierten Training erreichen kann
Bastian ist der lebende Beweis dafür, was man mit intelligentem und evidenzbasierten Training erreichen kann

Online ist es natürlich etwas anderes. Vor der Tastatur ist jeder ein Held. Persönlich vor Ort ist von dem Heldenmut meist nicht mehr viel übrig.

Ich symbolisiere mit 1,90m und 112kg wohl eher das Broscience- und Prollklischee, wichtig ist eben, trotz solch einem Auftreten, evidenzbasiert zu argumentieren. So das es auch für einen normal trainierenden Menschen, der am Anfang seiner Karriere steht, verständlich ist.

Zahlen, Fakten und Studien beeindrucken nicht. 250kg beim Kreuzheben zu ziehen und einen 46ger Oberarm zu haben schon. Deshalb funktioniert Broscience.

Die Leute glauben einem alles – solang man danach aussieht…

Ich nutze das und gebe den Klienten sinnvolle Ratschläge und Tips.

Dabei wissen sie gar nicht, ob das jetzt wirklich richtig ist, aber der kommende Erfolg und die verletzungsfreie Trainingszeit wird es ihnen bestätigen.

Gibt es Vorbilder für dich? Wer und warum?

Ehrlich gesagt habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Ich bin ein Eigenbrötler, ich strebe nicht nach dem Erfolg anderer. Ich weiß wo ich hin will und dafür gebe ich mein bestmögliches.

Auf diesem Weg hilft mir kein Vorbild – den Weg muss jeder alleine bestreiten.